1895—1995

100 Jahre Türnitzer Hütte

Zur Chronik der Türnitzer Hütte und der Ortsgruppe St. Pölten des Österreichischen Gebirgsvereins

 

1894

Der erst am 25. März 1890 unter seinem damaligen Obmann Hugo Gerbers gegründete „Niederösterreichische Gebirgsverein” mit Sitz in Wien schließt am 22. November mit Anton Rauchenberger einen Pachtvertrag. Zweck des Vertrages: Bau einer kleinen Blockhütte einige Meter unterhalb des Türnitzer Högers (1.373 m). Gepachtet wurden 150 m2 Grund zu einem Pachtschilling von 8 Gulden.

 

1895

Nach nur zweijähriger Bauzeit und einem Kostenaufwand von 5639 Kronen wird am 1. September 1895 die Türnitzer Hütte feierlich eröffnet. Sie ist die bisher erste Hütte in den niederösterreichischen Voralpen und erschließt ein ausgedehntes Waldgebiet im Traisen-Quellgebiet zwischen den Orten Freiland, Türnitz und St. Aegyd/Neuwalde. Zu den Erbauern zählen vor allem Namen wie Eugen Priete, Julius Seitner sowie dessen Freund Franz Klier.

 

1895–1914

Julius Seitner und Franz Klier betreuen die Türnitzer Hütte sowie das umfangreiche Wegenetz auf dem Türnitzer Höger.

 

1907

Die ständig steigende Zahl der Högerfreunde und auch der Nächtigungen machen bereits zwölf Jahre später den ersten Zubau der Hütte erforderlich. Die Türnitzer Hütte bekommt zwei neue Schlafräume.

 

1913

Die Ortsgruppe St. Pölten des „Niederösterreichischen Gebirgsvereins” wird gegründet. Die Gruppe hat bereits bei ihrer Gründung über 200 Mitglieder.

 

1914

In Johann Mayrzedt's Gasthaus in St. Pölten findet die erste Gründungshauptversammlung der Ortsgruppe St. Pölten statt. Ihr erster Obmann heißt Eduard de Crinis.

 

1914–1918

Während des 1. Weltkrieges wird die Türnitzer Hütte für längere Zeit das Asyl von Holzfällern aus dem Tiroler Zillertal.

 

1918–1921

In ziemlich desolatem Zustand wird die Hütte nach dem 1. Weltkrieg von der Gruppe Türnitz des Österreichischen Gebirgsvereins übernommen und betreut.

 

1921

Nachdem sich die Türnitzer Gruppe in den Wirren der ersten Nachkriegsjahre aufgelöst hatte, kommt die Türnitzer Hütte am 24. März in die treuhändige Verwaltung der Ortsgruppe St. Pölten. Erster Hüttenpächter wird der Hüttengrundbesitzer Anton Rauchenberger. Die Hütte am Scheitel des Türnitzer Högers nimmt von da an einen unermüdlichen und stetigen Aufschwung. In aufopfernder Arbeit des damaligen Hüttenwartes Hlinka und nach dessen Tode besonders Ing. Franz Barnath bekommt die Holzhütte schließlich jenes Aussehen, das sie auch heute noch hat.

 

1924

Die Hütte wird total renoviert und baulich verbessert.

 

1928

Die Gruppe St. Pölten schließt am 9. Mai 1928 mit Peter Rauchenberger einen Pachtvertrag ab. Dieser leistet in aufopferungsvollem und selbstlosem Einsatz ohne jede weibliche Hilfe schier Unmögliches für die Türnitzer Hütte und bleibt bis 1945 Hüttenpächter. Er ist Hüttenpächter, Hausherr des Hüttengrundes, Wirtschaftsbesitzer und Hirterbub seiner eigenen Rinder in einer Person. Seine Kochspezialitäten sind im Traisental bereits allseits bekannt und munden Bergwanderern aller Altersstufen: Biskuit-Omeletten mit selbstgepflückten Preiselbeeren.

 

1932

Die Inneneinrichtung des Gastraumes wird vollkommen erneuert.

 

1934–1935

Die Hütte bekommt einen weiteren Zubau mit einer Skiablage und einem neuen Wirtschaftsraum. Sie erreicht damit den heutigen baulichen Umfang und wird von Peter Rauchenberger von Juni bis Oktober ganztägig bewirtschaftet, von Oktober bis Mai nur an Sonn- und Feiertagen. Jetzt haben auch die Skifahrer den Türnitzer Höger entdeckt und besuchen die Hütte immer öfters im Winter.

 

1934–1945

Franz Wurm leitet als Obmann die Ortsgruppe St. Pölten. Ihm ist es zu verdanken, dass die ursprünglich kleine Ortsgruppe auf ihre bislang höchste Mitgliederzahl angewachsen ist, in ihr befinden sich einige hervorragende Alpinisten.

 

1939–1945

Die Schrecken des 2. Weltkriegs fügen sowohl der Türnitzer Hütte als auch der St. Pöltner Ortsgruppe schweren Schaden zu. Die Hütte wird durch die Kriegsfolgen schwer mitgenommen und dient Flüchtlingen als notdürftiger Unterstand.

 

1946–1947

Die Ortsgruppe St. Pölten ist in den ersten beiden Nachkriegsjahren praktisch nicht existent. Ihre Mitglieder sind auf den Schlachtfeldern des Krieges entweder gefallen oder in Gefangenschaft geraten.

 

1948

Den Bemühungen des letzten Obmanns vor dem Krieg, Franz Wurm, ist es zu verdanken, dass die Gruppe St. Pölten in den Wirren der Nachkriegsjahre wieder ins Leben gerufen wurde. Als ihr erster Obmann fungiert Karl Schloßnagel. Kurz darauf übernahm die Leitung der Ortsgruppe Karl Bauer, der aus der überaus aktiven Jugendgruppe hervorging, die unter Führung von Ing. Franz Barnath vor allem vor dem Krieg ihre Blütezeit erreichte. In mühevoller Arbeit beginnen die Gruppenmitglieder ab 1948 mit der Wiederinstandsetzung der Türnitzer Hütte.

 

1948–1954

Am 11. Oktober 1950, 18 Tage nach der 55-Jahr-Feier der Türnitzer Hütte, stirbt Peter Rauchenberger im 83. Lebensjahr auf der Viehhalt an einem Schlaganfall. Die Ortsgruppe St. Pölten hat damit ihren Pächter, der jahrzehntelang für das Wohl der Bergwanderer auf dem Türnitzer Höger gesorgt hatte, verloren. In den Jahren 1951–1954 gab es zwar einige Versuche mit neuen Pächtern, diese schlugen jedoch fehl.

 

1954

Die Hütte kommt in die Hände des aufopferungsvollen Hüttenwartes Ing. Helmut Ricker, der die Geschicke der Türnitzer Hütte praktisch ohne Unterbrechung bis 1978 leitet. Seither versehen Vereinsmitglieder mit ihren Familien an Wochenenden sowie an Feiertagen den notwendigen Hüttendienst. Die Gruppe St. Pölten ist seit ihrer Wiedergründung immerhin auf 352 Mitglieder angewachsen.

 

1956–1975

Nach einer zweijährigen Amtszeit von Ing. Franz Barnath (1951–1953) sowie Karl Pernsteiner (1954-1955), dem alpinistischen Aushängeschild der Ortsgruppe, als Obmänner übernimmt Rudolf Göpfert die Leitung der Gruppe St. Pölten und führt sie ohne Unterbrechung bis 1975. Die Hütte wird dabei modernisiert und in Schwung gehalten. Die Ertragssituation wird laufend verbessert.

 

1975–1981

Nach dem Ausscheiden Rudolf Göpferts als Obmann übernimmt Karl Pernsteiner wiederum diese Funktion und hat sie bis zum 1. April 1981 inne. Die Hütte kommt nun in die aufopferungsvollen Hände von Hüttenwart Sepp Herndlbauer und dessen Mitarbeiter. Den Problemen der Versorgung und der Abfallbeseitigung muss die Gruppenleitung Rechnung tragen und beschließt den Bau einer Materialseilbahn aus dem Kräuterbachgraben (Lehenrotte). Die Wasserversorgung wird modernisiert.

 

1980

Je mehr Wanderer die Türnitzer Hütte besuchten, umso öfter musste Hüttenwart Herndlbauer seine treuen Helfer zu einem Transporteinsatz zusammentrommeln. Wein, Suppenpulver und Schnaps mussten bis dahin mit Rucksäcken und Tragekraxen aus dem Högerbachgraben zur Hütte geschleppt werden. Oft bis zu viermal täglich. 1980 wurde das Transportproblem im Gruppenausschuss ernsthaft angegangen: Der erste Versuch eines umgebauten, bergwärts ratternden Motormähers scheiterte kläglich. Die Wege auf den Türnitzer Höger erwiesen sich für den Betrieb von Zugfahrzeugen als viel zu schmal. Erst eine mittels Seilbahn durchgeführte große Holzschlägerung an der Nordseite des Türnitzer Högers war ausschlaggebend für den Bau einer eigenen Materialseilbahn. Am 14. Juni 1980 begann Ing. Arno Todt mit den ersten Trassenvermessungen, am 3. Juli 1980 erfolgte die Bewilligung durch die Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld. 1.500 Kilo Trag- und Zugseile wurden herbeigeschafft, Dieselmotor und Seilwinde mussten gekauft, ein eiserner Tragseilmasten konstruiert und 16 Kubikmeter Beton geliefert werden. Am 2. August 1980 begann der Bau, am 18. Oktober erfolgte die Jungfernfahrt der Seilbahn ohne Absturz. Eine Tatsache, die gar nicht so selbstverständlich ist. Die „Höger-Seilbahn” hat eine Länge von 1.273 Metern und überwindet einen Höhenunterschied von 587 Metern vom Nordfuß des Högers bis einige Meter knapp unterhalb der Hütte. Am 8. März 1983 hat die Gruppe St. Pölten die schriftliche, behördliche Genehmigung zum Betrieb einer Materialseilbahn erhalten.

 

1981–1995

Heinz Exenberger übernimmt am 2. April 1981 die Führung der Vereinsleitung von seinem Vorgänger Karl Pernsteiner. Unter seiner Führung wächst die Mitgliederzahl der Ortsgruppe stetig, wird das Wander- und Tourenprogramm für die Mitglieder erweitert und erfreut sich die Türnitzer Hütte immer mehr der Beliebtheit aller naturbegeisterten Bergwanderer und Bergsteiger aus dem niederösterreichischen Zentralraum rund um St. Pölten. Steigende Besucherzahlen machen die Erweiterung der Hütte notwendig. Der Beschluss zum Bau eines größeren Kellers, der Modernisierung der sanitären Anlagen und zum Bau eines neuen Winterraumes fällt 1988 und damit noch in die Zeit von Hüttenwart Herndlbauer. Herndlbauer stirbt am 1. Mai 1992. Ihm folgt 1990 als neuer Hüttenwart Karl Schremser, der sich seither gemeinsam mit seiner Frau und seinen Söhnen tatkräftig der notwendig gewordenen Modernisierung der Hütte widmet.